Gastkommentar: Der selbstgemachte Kater
Der Traum von der Promotion in die 2. Liga ist für den FC Klus-Balsthal nach der 1:2-Heimpleite gegen den FC Niederbipp im zweiten Aufstiegsspiel wohl bereits geplatzt. Eine kritische Nachbetrachtung eines Aussenstehenden.
Von Jean-Pierre Costa*
Fussball sei - so die oft zitierte Platitüde – die schönste Nebensache der Welt. So man(n) sie (die Nebensache) richtig interpretiert und ausführt. Von schön konnte beim gestrigen Auftritt der Gastgeber gegen die Berner keine Rede sein. Adjektive wie konzeptlos, ideenlos, leblos, ja gar blutleer umschrieben die fade Darbietung des selbsternannten Aufstiegsanwärters am treffendsten. Und dies vor einer wieder einmal ansprechenden Kulisse von 720 Zuschauern. Deren Meinung eine einheitliche war: Mit Niederbipp hatte sich die richtige Mannschaft durchgesetzt und somit den 2.-Liga-Aufstieg frühzeitig gesichert.
Die Gründe waren schon früh ersichtlich: Fussball wird als Mannschaftssportart definiert, wo, wie es der Name ausdrückt, das Team im Mittelpunkt steht - im Fall des FC Klus-Balsthal eher stehen sollte. Denn was die Kluser auf dem heimischen Moos 98 Minuten lang boten, hatte mit der Definition (Wikipedia: „Als Mannschaftssportart wird eine Art von Sport bezeichnet, in dem nicht einzelne Individuen, sondern in bestimmter Weise strukturierte Gruppen ... gegeneinander antreten“) recht wenig gemeinsam. Zu oft verrannten sich die einheimischen Spieler in furcht- wie ebenso fruchtlose Einzelaktionen. Statt das Kollektiv zu forcieren, der bisherige Stärke, wurde vornehmlich nach dem Prinzip Brechstange agiert. Dass die Einheimischen zusammenspielen können, haben sie im Verlauf der Meisterschaft zur Genüge bewiesen. Im vielleicht entscheidenden Moment der Saison versagten sie diesbezüglich gänzlich.
Ein einziges Mal (!) durften die Zuschauer so etwas wie einen zusammenhängenden Angriff der Einheimischen beklatschen, als der Ball nach einem schnellen Vorstoss über drei Stationen von Denis Kostadinovic ausgehend über Borislav Jankovic zu Deniz Mendi gelangte, der Kluser Goalgetter jedoch aus spitzem Winkel knapp verzog (32.). Einfach zu wenig, um den hohen Ambitionen gerecht zu werden. Es sollte zudem - stellvertretend für die blasse Offensive - die einige zusammenhängende Angriffsaktion aus dem Spiel heraus bleiben. Bei der zweiten Torchance der Kluser des gesamten Spiels (!) als Kosta Milosevic seinen Kopfball knapp verzog, war bereits die 89. Minute angebrochen. Der Ausgleichstreffer zum 1:1 kurz vor Ende der ersten Spielhälfte entstand ebenso symptomatisch aus einem „stehenden“ Ball, einer Freistossflanke von Jankovic, die Mostapha El Ouahamani mit dem Kopf ins Tor verlängerte (44.).
Bipp aus einem Guss
Dabei hätten die Einheimischen eigentlich bei den Gästen besten Anschauungsunterricht nehmen können. Die Berner, auch sie zwar nicht ohne Makel agierend, traten als echte Einheit auf, wirkten kompakter, spritziger und agiler. Sie liessen sie den Ball laufen und handelten vor allem nach einem klaren Konzept. Dazu gehörte die Rücknahme ihres wohl besten Stürmers, Miroslav Kral, in die Innenverteidigung. Das sollte sich letztlich als matchentscheidend erweisen. Kral bildete mit Dino Cordari ein unüberwindbares Bollwerk in der Bipper Defensive. Mit den meist langen Bällen der Kluser bekundeten sie wenig Mühe.
Kurzum: die Gäste spielten, wie im Jargon blumig umschrieben, wie aus einem Guss. Sie wirkten in der Offensive zielstrebiger, gefährlicher und erarbeiteten sich denn auch bedeutend mehr Torchancen. Dass die beiden Tore (19. und 60.) der Gäste auf Grund von krassen Fehlern der einheimischen Hintermannschaft entstanden, war ebenso bezeichnend. Und dass der ansonsten so zuverlässige Torhüter Ivo Teutschmann zur tragischen Figur avancierte, war letztlich nur die Krönung einer gänzlich missratenen Vorstellung.
Kleine Hoffnung oder nur Durchhalteparole?
Allerdings muss hier unmissverständlich angefügt werden, dass der spielerische Abwärtstrend trotz der imposanten Aufholjagd bis hin zur Realisation des Gruppensieges sich zuletzt abzeichnete. Zu oft vertuschten die letzten sieben Meisterschaftssiege in Folge die augenscheinlichen spielerischen Mängel, die teils mit viel Glück in positive Ergebnisse herumgedreht wurden. Das für ein Team aus dem Amateurbereich schlichtweg unzumutbare Mammutprogramm von vier Partien innert sieben Tagen mag als Entschuldigung hergehalten, den Blick für die Realität vielleicht aber doch verklärt haben.
Noch lodert ein kleines Flämmchen Hoffnung, den Aufstieg trotzdem noch realisieren zu können. Dafür bedarf es aber der Schützenhilfe von Aufsteiger Niederbipp in der Form eines Sieges im Spiel in Zuchwil. Klus müsste seine letzte Heimpartie vom Freitag gegen Subingen II ebenso erfolgreich bestreiten. Gewinnen könnte die Mannschaft von Trainer Fredi Bargetzi aber trotzdem. Nämlich mit einer spielerisch ansprechenden Leistung im Saisonschlussspiel und damit der Versöhnung mit dem eigenen Anhang. Dafür wäre die Rückbesinnung auf die Grundwerte, also der Fokussierung auf das Mannschaftsspiel, nötig. Oder wie heisst doch die Definition von Mannschaft so schön? Nicht die einzelnen Individuen, sondern die Gruppe macht den Unterschied. Die Kluser Fans würden diese Einstellung bestimmt honorieren. In diesem Sinne ein letztes Mal ein kräftiges Hopp Klus!
* Ehemaliges Aktiv- und Vorstandsmitglied des FC Klus-Balsthal, im fortgeschrittenen Alter jetzt nur noch FCKB-Fan an der Seitenlinie im Hardcore-Corner. Wurde bis vor kurzem als Sportredaktor beim Tages Anzeiger Zürich für kritische Nachbetrachtungen bezahlt.















